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Im Schatten des Hakenkreuzes Wolfgang Michael hat die Zeit zwischen 1933 und 1939 in Oschatz recherchiert und darüber ein Buch geschrieben
Oschatz. Diese Frage treibt Wolfgang Michael (Jahrgang 1938) seit Jahren um: „Wie konnte so etwas in Oschatz passieren?“ Auf 220 Seiten seines neuen Buches „Oschatz unterm Hakenkreuz“ sucht der Heimatforscher nach Antworten, warum so viele Oschatzer den Nazis zwischen der Machtergreifung 1933 und dem Beginn des Zweiten Weltkrieges 1939 bedingungslos gefolgt waren. „Diesmal ist es eine Chronik“sagt der pensionierte Lehrer, der sein erstes Buch zu diesem Thema „Der Aufstieg des Nationalsozialismus und seine ,Machtergreifung’ in Oschatz 1928-1933“ vor fünf Jahren veröffentlicht hat. Im neuen Buch beleuchtet der Autor, wie die Ideologie und Politik der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) das zivilgesellschaftliche Leben in Oschatz bestimmt haben. „Auffällig war der ständige Aktionismus der Nazis. Innerhalb von sechs Jahren veranstalteten sie 243 Aufmärsche durch die Stadt.“ Bei Wahlen holten Hitlers Getreue fast immer 99,9 Prozent der Stimmen. Sicherheitshalber steckten sie bekannte Kommunisten vor den Urnengängen ins Konzentrationslager. Wirtschaftlich profitierte Oschatz von der Aufrüstung vor dem Zweiten Weltkrieg. Mit dem Bau des Fliegerhorstes kamen Soldaten. Gaststätten und Handel florierten. „Meine Mutter hat über diese Zeit immer gesagt: Das waren die schönen
Jahre vor dem Krieg", so Michael. Bei seinen Recherchen, die sich
hauptsächlich auf die damals erschienene Tageszeitung "Oschatzer
Gemeinnützige" stützen, stellte sich jedoch heraus: Erinnerungen liefern
ein verzerrtes Bild der Wirklichkeit. "Mich hat persönlich überrascht,
dass es laufend Versorgungsengpässe gab. Besonders Fett war Mangelware."
Die zuständigen Mitarbeiter im Oschatzer Rathaus brauchten jede Woche
drei Tage, um an alle Bedürftigen Margarine-Marken auszugeben. Diese
Unannehmlichkeiten führten jedoch nicht dazu, dass die Oschatzer gegen
die Naziherrschaft rebellierten. Im Gegenteil: Den Anschluss
Österreichs an das Deutsche Reich im März 1938 feierten spontan Tausende
Oschatzer auf den Straßen ihrer Heimatstadt. "Natürlich hat es auch
Leute gegeben, die dieses System abgestoßen hat. Aber die meisten haben
das im Lauf der Zeit angenommen - zumindest bis zum Kriegsausbruch." Wie
es danach bis zur Zerschlagung der Nazidiktatur 1945 in Oschatz
weiterging, das möchte Wolfgang Michael gern noch recherchieren und
veröffentlichen. "Wenn ich das noch schaffe", schränkt er ein.
Als Vorsitzende des Oschatzer Heimat- und Geschichtsvereins ist Gabriele Teumer
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Teumer froh, dass Wolfgang Michael mit seinem neuen Buch die
Publikationsreihe "Oschatzer Geschichte(n)" ergänzt. "Mich hat das Buch
sehr beeindruckt. Das Besondere daran ist, dass Wolfgang Michael die
Geschehnisse in Oschatz in den großen Zusammenhang eingeordnet hat",
sagt sie.
Das Buch "Oschatz unterm Hakenkreuz - eine Chronik 1933-1939" wird
am 8. Februar ab 19 Uhr öffentlich im Gasthaus Zum Schwan vorgestellt.
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Gabriele Teumer und Wolfgang Michael zeigen das Titelblatt des
neuen Buches, das am 8. Februar erstmals öffentlich vorgestellt wird. Foto: Dirk Hunger
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